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Positionen der Initiative Infektionsschutz

 

Krankenhausinfektionen und die rasante Verbreitung von multiresistenten Erregern stellen Kliniken vor wachsende Schwierigkeiten. Um der zunehmenden Bedrohung Herr zu werden, ist ein konzertierter Aktionsplan aller Verantwortlichen notwendig.

 

Die Initiative Infektionsschutz ist ein interdisziplinäres Expertengremium, das die Umsetzung bundesweit gültiger und effektiver Hygienestandards unterstützt. Über das derzeitige Konzept der Bundesregierung hinaus fordert die Initiative Infektionsschutz die konkrete Formulierung von verbindlichen Standards sowie die Etablierung von Kontrollinstanzen und Sanktionen.

 

Die Initiative Infektionsschutz berücksichtigt die unterschiedlichen Verantwortungsbereiche der einzelnen Akteure im Gesundheitswesen.

 

Eine erfolgreiche Umsetzung von Hygienestandards muss in den drei Kernbereichen ansetzen:

 

I. Vermeiden nosokomialer Infektionen


Die Vermeidung nosokomialer Infektionen ist das primäre Ziel aller Maßnahmen. Im Gesundheitswesen muss eine übergreifende Sicherheitskultur etabliert und gelebt werden.

 

II. Vergüten verantwortungsbewussten Handelns


Die Leistungserbringer müssen konkrete finanzielle Anreize für gute Behandlungsqualität erhalten. Fehlallokationen in der Erstattung führen bis heute in vielen Fällen dazu, dass Hygienemängel belohnt werden.

 

III. Verstehen – zur Optimierung der Präventionsmaßnahmen und zur Kontrolle der Behandlungsqualität


Problem erkannt – Problem gebannt: Nur wenn die Infektionswege und die Gefahrenquellen bekannt sind, können effektive Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

 

I. Vermeiden nosokomialer Infektionen

 

Vermeidung der Übertragung von Pathogenen

 

a)  Einführung einer Sicherheitskultur, die für die gesamte Einrichtung und alle Ebenen verbindlich ist

 

Die Vernetzung über Einrichtungs- und Sektorengrenzen hinweg ist die Basis für frühzeitige und zuverlässige Informationsweitergabe über den MRE-Status von Patienten an Zuweiser und Weiterbehandler, Krankentransportdienste und Rehaeinrichtungen.

 

b)  Stringente Umsetzung der Basishygiene

 

Zur Basishygiene gehören die Händehygiene, das Tragen persönlicher Schutzausrüstung (PSA), adäquate Aufbereitung und Verwendung von Medizinprodukten, desinfizierende Waschverfahren für Krankenhauswäsche, Flächendesinfektion und -reinigung, unbedenkliche Abfallentsorgung und die Vermeidung von Verletzungen.

 

c)  Bereitstellung von Fachpersonal und Schulungen für alle Mitarbeiter

 

Qualifiziertes und in ausreichender Anzahl vorhandenes Fachpersonal ist eine Grundvoraussetzung für die effektive Umsetzung von Hygienemaßnahmen. Aus- und Weiterbildung muss einen stärkeren Stellenwert erhalten.

 

d)  Frühzeitiges Erkennen und optimierte Behandlung der Träger von multiresistenten Erregern

 

Eingangsscreening von Risikopatienten auf alle wichtigen multiresistenten Erreger:

 

Die Rahmenbedingungen für verschiedene Kliniken und Einrichtungen des Gesundheitswesens sind sehr unterschiedlich. Risikofaktoren für Multiresistenzen müssen individuell identifiziert werden, Prozesse für das Screening und das nachfolgende Hygienemanagement situationsgerecht angepasst und die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen regelmäßig überprüft werden.

Geeignete Maßnahmen zur Festlegung der Risikofaktoren sind:

Durchführung einer Prävalenzstudie: Die Prävalenzstudie dient der Identifikation der für die einzelnen Häuser spezifischen Risikofaktoren. So können etwa überweisende Einrichtungen, die eine besonders hohe MRE-Rate aufweisen, erkannt werden.

Abgleich der Risikofaktoren mit regionalen und nationalen Referenzdaten, z. B.  aus den örtlichen MRE-Netzwerken.

Situationsgerechte Anpassung der vom RKI beschriebenen Risikofaktoren

 

Verlegungsscreening bei jedem Wechsel von oder in eine Risikostation:

 

Als Risikostationen sind alle Bereiche der Intensivpflege und Wachstationen einzuordnen.

 

Behandlung und Sanierung von kolonisierten Patienten

 

Alle Diagnostikverfahren sollten zeitnah und ortsnah durchgeführt werden:

 

Die beste Diagnostik kann nur dann effektiv etwas bewirken, wenn die Ergebnisse schnell vorliegen und damit auch im klinischen Behandlungsablauf berücksichtigt werden können. Ebenso wichtig für die Umsetzung der Diagnoseergebnisse in Behandlungsqualität sind einheitliche Qualitätskriterien für Labore.

 

e)  Rationaler Umgang mit Anti-Infektiva

 

Einführung eines ABS Programms (Anitbiotic Stewardship Program)

Monitoring der Antibiotikagabe durch Erfassung standardisierter Tagesdosen (DDD = Daily Defined Dosis)

Regelmäßige Schulungen der Ärzte, Beratung durch Fachleute bei der Festlegung der Antibiotikatherapie

Nutzung von antiseptischen Alternativen, wenn immer möglich

 

II. Vergüten verantwortungsbewussten Handelns

 

a)  Das Erstattungssystem muss den Leistungserbringern Anreize bieten, multiresistente Erreger zu identifizieren und angemessene Maßnahmen zur Behandlung und zum Schutz der anderen Patienten zu ergreifen.

b)  Um die entsprechenden Entgelte zu kalkulieren, muss aus der Dokumentation ersichtlich werden, ob eine Infektion oder eine Kolonisierung mit einem Erreger vorlag.

c)  Weiterhin ist es notwendig zu unterscheiden, ob eine Infektion bzw. Besiedelung bei Aufnahme in eine Einrichtung vorlag (present on admission) oder dort erworben wurde (hospital acquired).

d)  Nachfolgend sollten auch die ergriffenen Maßnahmen eindeutig kodierbar sein. Es sollte zwischen einem reinen Screening, einer Komplexbehandlung bei manifester Infektion und einer Sanierung bei Kolonisierung unterschieden werden.

 

III. Verstehen – zur Optimierung der Präventionsmaßnahmen und zur Kontrolle der Behandlungsqualität

 

a)  Verbindliche Meldepflicht für Infektionen und Kolonisationen mittels eines bundesweit standardisierten Erfassungs-, Informations- und Melderegisters

 

Nur so können Präventionsmaßnahmen, basierend auf den erhobenen Daten, zeitnah justiert sowie Transparenz und Kontrolle der Behandlungsqualität durch entsprechende Kommunikation der Daten gewährleistet werden.

Nur Verbindlichkeit gewährleistet eine verlässliche Datengrundlage und Vergleichbarkeit der Qualitätsberichte.

Externe Audits zur Validierung der internen Aufzeichnung

 

b)  Sicherstellung der Ergebnisqualität:

Kopplung der Vergütung an den Behandlungserfolg, z.B. Untersuchung von positiv erkannten und in der Sanierung befindlichen bzw. angeblich abgeschlossenen Trägern von MRE bei Entlassung als Teil der Komplexbehandlung bei multiresistenten Erregern.

 

Die Unterzeichner des Positionspapiers sind:

 

  • Dr. Jan Helfrich, Referent des Vorstandes der DAK-Gesundheit (ab 2016 ruhende Mitgliedschaft / ausgetreten)

 

  • Dr. Nils-Olaf Hübner, Leiter des hygienisch-mikrobiologischen Labors am Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

 

  • Dr. Dr. Frank Kipp, leitender Krankenhaushygieniker am Institut für Hygiene des Universitätsklinikums Münster
    (ab Juni 2012 beratendes Mitglied)

 

  • Prof. Dr. Axel Kramer, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald